Die Geschichte
1930 errichtete der Architekt Jacques Wipf für sich und seine Familie ein bewusst einfach gehaltenes Badehaus am Thunersee. Über einem offenen Unterstand entstand ein einziger Innenraum, darüber eine Dachterrasse, ergänzt durch ein verborgenes Plumpsklo unter der Treppe. Beton, kräftige Farben und eine klare, kistenartige Form bestimmten den Entwurf.
Wer sich mit Architekturgeschichte beschäftigt, erkennt rasch die Anlehnung an die Weissenhofsiedlung in Stuttgart (1927) – die erste grosse Manifestation der Moderne. Flachdach, ornamentlose Volumen, starke Farbflächen und der Einsatz von Beton verweisen deutlich auf diese Bewegung. Gleichzeitig erlaubte sich Wipf bewusste Brüche: klassische Fensterproportionen mit Drehläden, kräftige Eckpfosten, gestemmte Holztüren und unzeitgemässe Fenstersimse. Elemente, die im Kontext der Moderne fast ironisch wirken.
Diese feinen Widersprüche lassen das Badehaus wie ein architektonisches Augenzwinkern erscheinen. Zeitzeugen berichten, dass Jacques Wipf ein humorvoller, lebensfroher Mensch war – bekannt für seine aufwendig vorbereiteten Maskenbälle. Sein Badehaus darf deshalb durchaus als spielerischer Kommentar zur Moderne gelesen werden, nicht als strenges Manifest.
Sorgfältige Renovation für ein Zuhause mit Charakter und Beständigkeit.